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Samstag, 28. Oktober 2017

[Kurzrezension] Medea. Stimmen von Christa Wolf

Auf dieser Scheibe, die wir Erde nennen, gibt es nichts anderes mehr, mein lieber Bruder, als Sieger und Opfer.
- S.106

Als Frau des Argonauten Jason lebt Medea in Korinth, wohin sie ihm aus ihrer Heimat Kolchis gefolgt ist. Im königlichen Palast Korinths gerät sie in ein Spiel aus Verleumdungen, Intrigen und Lügen. Der Kampf um die Macht steht im Mittelpunkt, und Medea soll als Sündenbock geopfert werden. Die Medea der griechischen Tragödie, die Barbarin, Giftmischerin, die rachsüchtige Mörderin – hier wird diese Frauenfigur aus dem jahrtausendealten Mythos gelöst, das überkommene Bild revidiert.

In ihrem Erfolgsroman erzählt Christa Wolf die Geschichte der Medea neu und entwirft das Porträt einer eigenwilligen, ungewöhnlichen Frau. Q (Werbung)


Christa Wolf, Suhrkamp, 223 Seiten, 11 Kapitel, Taschenbuch, 8,00€, ISBN: 978-3-518-46008-5
Kaufen, Leseprobe (Werbung)

Samstag, 22. Oktober 2016

Landnahme

Bernhard Haber ist zehn, als er 1950 mit seinen Eltern aus Breslau in eine sächsische Kleinstadt kommt, wo man Vertriebene und Ausgebombte lieber heute als morgen wieder abreisen sähe. Zwar werden Handwerker gebraucht, und Bernhards Vater ist Tischler, aber die Einheimischen bestellen ihre Möbel natürlich nicht bei dem Fremden. 

Christoph Hein erzählt die Lebensgeschichte Bernhard Habers über fast fünfzig Jahre aus der Sicht und mit den Stimmen von fünf Wegbegleitern.
Es ist der Lebenslauf eines Außenseiters in der Provinz, der mit der großen Geschichte scheinbar nichts zu tun hat und doch den Verlauf deutscher Geschichte vom zweiten Weltkrieg bis zur Jahrtausendwende exemplarisch spiegelt.  Q (Werbung)

Christoph Hein, Suhrkamp, Einzelband
382 Seiten, 5 Kapitel, Taschenbuch
ISBN: 978-3-518-45729-0, 11,00€, Kaufen
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Christoph Hein

wurde am 8. April 1944 in Heinzendorf/Schlesien geboren. Nach Kriegsende zog die Familie nach Bad Düben bei Leipzig, wo Hein aufwuchs. Ab 1967 studierte er an der Universität Leipzig Philosophie und Logik und schloss sein Studium 1971 an der Humboldt Universität Berlin ab. Von 1974 bis 1979 arbeitete Hein als Hausautor an der Volksbühne Berlin. Der Durchbruch gelang ihm 1982/83 mit seiner Novelle Der fremde Freund / Drachenblut.
Hein wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Uwe-Johnson-Preis und Stefan-Heym-Preis. Q (Werbung)


Meine Meinung:

Dieses Buch habe ich zugegebenermaßen nicht ganz freiwillig gelesen. Dadurch das wir im Deutschunterricht gerade Nachkriegsliteratur behandeln und dieses Buch mit auf dem Lehrplan steht, darf ich jetzt in meinen zweiwöchigen Ferien diesen "Deutschland - Roman" lesen. Aber erstaunlicherweise war es gar nicht so eine große Qual, wie ich es zuerst erwartet hatte. Es geht um Bernhard Haber, ein Vertriebener, wie er von vielen auch nach vielen Jahren noch immer definiert wird. Er kommt 1950 von Breslau nach Sachsen, da deutsche Ländereinen nun zu Polen gehören und sein Vater als "Deutscher" dort nicht mehr willkommen ist. Aber in Sachsen ist er es auch nicht und das bekommt Bernhard bereits in der Schule zu spüren.

Ich sah zu Bernhard hoch, der gleichmütig neben unserer Band stand. Ich bewunderte ihn. Ich war nicht so stark wie er, ich könnte nicht stundenland neben der Band stehen und irgendetwas verweigern, warauf die Lehrerin, der Direktor und die ganze Klasse nun schon eine Ewigkeit warteten.
- "Thomas Nicolas", S.64

Die Geschichte von Bernhard Haber, die beinahe 50 Jahre umfasst, wird von fünf Zeitgenossen erzählt, die alle in Beziehung zu unserem "Protagonisten" stehen: Thomas Nicolas (sein Banknachbar von der 3. bis zur 7. Klasse), Marion Demutz (seine Freundin für 3 Jahre), Peter Koller (ein Freund, mit dem er später ein "Geschäft" aufbaut), Katharina Hollenbach (die Schwester seiner Freundin und später Frau) und Sigurd Kitzerow (sein wohl langjährigster und treuester Freund). Aus Bernhards Sicht selber wird nie berichtet, sodass man sich nur dessen Charakter und dessen Gedanken aus den Erzählungen der anderen zusammenreimen kann, was ich wirklich recht interessant finde. Jedoch muss ich leider auch sagen, dass mich ein paar der Protagonisten, vor allem die beiden Frauen, ziemlich genervt haben.

"Vielleicht brauchte es erst das Blut meines Vaters, meines unschuldigen Vaters, dass ich hier heimisch werde, dass man mich akzeptiert."
- Bernhard in "Sigurd Kitzerow", S. 367

Bernhard Haber an sich ist meiner Meinung nach ein wirklich interessanter Charakter und ich konnte mich gut mit ihm identifizieren, auch wenn ich keine Ahnung habe, wie schlimm das alles für ihn sein muss. Sein ganzes Leben wird durch Vorurteile anderer und die daraus resultierende Ausgrenzung bestimmt, bis schließlich Sigurd Kitzerow es schafft, ihn zu integrieren. Die beiden zeichnet eine Freundschaft aus, die mich zum Ende des Buches noch einmal etwas aufgebaut hat. Zu den Charakteren an sich und wie sie mir gefallen haben, möchte ich nichts weiter sagen, da das diese Rezension inhaltlich sprengen würde, jedoch finde ich an allen von ihnen, bis auf Thomas Nicolas, etwas, dass mich richtig genervt hat, auch wenn ich es meistens nach einer Weile ausblenden konnte. Man kann sich bei diesem Buch nicht weigern, es als unheimlich authentisch zu bezeichnen, was sich vermutlich gerade durch diese nervigen Charaktere auszeichnet.

Fazit:

Auch wenn mich weder Klappentext noch Cover ansprechen und ich dieses Buch auch nicht freiwillig gelesen habe, bin ich dennoch positiv überrascht wurden. Die Geschichte um Bernhard Haber, aber auch die Geschichten von unseres Protagonisten, konnten mich mitreißen und begeistern. Hätten mich einige ihrer Charaktereigenschaften und auch die ständigen Wiederholungen und Einschübe von Handlungssträngen nicht so genervt, dann hätte ich dieses Buch vermutlich in einem oder zwei Tagen gelesen.


Liebe Grüße, eure Sophia

Sonntag, 28. Juni 2015

Unterm Rad

Autor: Hermann Hesse
Verlag: Suhrkamp
Seiten: 176
Kapitel: 7
Format: Taschenbuch
Preis: 7,00€
ISBN: 978-3-518-36552-6
Kaufen: hier
Leseprobe
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Der Klappentext:

Unterm Rad beschreibt das Schicksal eines begabten Kindes, dem der Ehrgeiz seines Vaters und der Lokalpatriotismus seiner Heimatstadt eine Rolle aufnötigen, die ihm nicht entspricht und es »unters Rad« drängt. Q (Werbung)

Wer ist eigentlich Hermann Hesse?

Hermann Hesse, geboren am 2.7.1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen, starb am 9.8.1962 in Montagnola bei Lugano. Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur, 1955 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin.
Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. Q  (Werbung)
"Unterm Rad" schrieb Hesse kurz vor der Jahrhundertswende und griff dabei auf eigene Erlebnisse zurück.

Langweilige Schullektüre oder emotionale Jugendliteratur?


In diesem Fall, denke ich, haben wir eine gute Mischung aus beiden. An manchen Stellen fand ich diese Erzählung echt langweilig. Hermann Hesse mochte es anscheinend sehr, gewisse Tätigkeiten wie zum Beispiel das Angeln ganz ausführlich über mehrere Seiten lang zu beschreiben. An solchen Stellen habe ich mich dann wirklich gefragt, warum er die Geschichte so extrem in die Länge ziehen muss, denn die Analyse von Hans´ Angelart bringt den Leser nicht im Geschehen weiter, sondern lässt ihn eher verzweifeln.

Ich finde trotzdem, dass dieses Buch eine sehr schöne Schullektüre ist, da man viel aus ihm lernen kann. Auch manche Eltern sollte diese Erzählung einmal zur Hand nehmen, denn es geht vor allem um Lehrer und einen Vater, die einen Schüler bzw. seinen Sohn so unter Druck und Schulstoff stecken, dass er eher oder später darunter zerbrechen wird. Das steht schon ziemlich am Anfang des Buches fest, als man Hans Giebenrath gerade erst kennenlernt.
Wichtig ist auch, dass Hans keineswegs ein Genie ist, wie es vielleicht für manche den Anschein hat. Er hat lediglich so hart gelernt, da man es von ihm verlangte.

Eine andere wichtige Rolle spielt auf jeden Fall die Freundschaft zwischen dem pflichtbewussten, lernfleißigen Hans Giebenrath und dem rebellischen, lyrischen Hermann Heilner. Wir haben diese beiden im Deutschunterricht sogar als "Fremde Freunde" bezeichnet, da sie einfach aus ganz unterschiedlichen Welten zu kommen scheinen. Und doch spüren sie eine tiefe Verbindung, für die sie sich auch einsetzten, auch wenn es den Lehrern nicht besonders gefällt. Jedoch kommt Hans durch seine Freundschaft mit Hermann auch in innerliche Zwiespälte. Er beginnt, die Schule zu vernachlässigen und verteidigt sich und Hermann vor dem Ephorus, was er sich zu Beginn des Buches niemals getraut hätte.
Ich denke, dass diese Beziehung Hans wirklich richtig gut tut. Umso trauriger ist es jedoch dann, wie sie endet.

Ich habe noch ein meiner Meinung nach sehr krasses, jedoch vollkommen zutreffendes Zitat von Hermann Hesse über seinen Charakter Hans Giebenrath gefunden, dass ich hier gerne noch hinzufügen würde:

"Der ist auch, seit sie ihm in der Schulzeit das Rückgrat gebrochen haben, immer unterm Rad geblieben."
- Hermann Hesse 

Fazit: Auch nach über 100 Jahren regt diese Erzählung noch sehr stark zum Überlegen an. Vor allem das Ende hat mich sehr emotional gestimmt, was ich nach teilweise zu sehr detaillierten Schilderungen und einem nicht unbedingt spannendem Verlauf der Geschichte nicht erwartet hatte. Auch wenn die Sprache an einigen Stellen sehr anstrengend werden kann, sollte man sich dieses Buch mal zur Hand nehmen.


Liebe Grüße, eure Sophia